Verhinderungspflege ist eine Leistung der Pflegeversicherung, die sowohl von der sozialen Pflegeversicherung als auch von den privaten Pflegeversicherungen erbracht werden, sofern die gesetzlich geregelten Voraussetzungen erfüllt sind. Geregelt ist diese Leistung im § 39 SGB XI.

Voraussetzungen für die Inanspruchnahme von Verhinderungspflege:

  • der Pflegebedürftige muss in eine Pflegestufe nach dem Elften Sozialgesetzbuch eingestuft sein
  • der Pflegebedürftige muss mindestens 6 Monate lang gepflegt worden sein. Laut "Gemeinsames Rundschreiben zu den leistungsrechtlichen Vorschriften vom 01.07.2008" der Spitzenverbände der Pflegekassen ist es dabei unerheblich, dass die Person, die an der Pflege verhindert ist, die Pflege in Person für 6 Monate übernommen hatte. Es ist also Verhinderungspflege auch dann möglich, wenn eine erste Pflegeperson den Pflegebedürftigen 2 Monate gepflegt hat und eine zweite Pflegeperson, die dann verhindert ist, im Anschluss 4 Monate die Pflege übernommen hat.
  • Die Person, die die Pflege zum Zeitpunkt der Verhinderung die Pflege übernimmt oder übernehmen sollte, muss an der Pflege verhindert sein. Hierbei sind keine besonderen Gründe erforderlich. Das Gesetz lässt Erholungsurlaub, Krankheit und andere Gründe zu
  • Die Pflegeperson pflegt den Pflegebedürftigen wöchentlich mindestens 10 Stunden
  • Die Verhinderungspflege muss vorab bei der Pflegekasse beantragt werden (Ausnahme: stundenweise Verhinderungspflege, dort ist eine nachträgliche Beantragung möglich)

Was wird erstattet?

  • ab 1. Januar 2015 erstattet die Pflegekasse Aufwendungen bis zu 1612,00€ (bzw. 2418,00 € bei hälftigem Verzicht auf Kurzzeitpflege) pro Kalenderjahr
  • Erstattungsfähig sind die Pflegeaufwendungen einer Ersatzpflegekraft (z.B. durch einen ambulanten Pflegedienst oder eine selbst organisierte, private Pflegekraft, die nicht bis zum 2. Grad verwandt oder verschwägert ist und nicht mit dem Pflegebedürftigen in einem Haushalt lebt bis zur oben genannten Höhe
  • bei Verwandten bis zum 2. Grad ist die Leistung auf die Höhe des Pflegegelds begrenzt. Es können jedoch von solchen Personen zusätzliche Aufwendungen, die nachweislich entstanden sind (z.B. Fahrtkosten, Verdienstausfall) bis zur Höhe des Maximalbetrages geltend gemacht werden.
  • Der Anspruch auf Verhinderungspflege ist tageweise auf 28 Kalendertage im Jahr begrenzt. Dieses greift, wenn die Pflegeperson beispielsweise krank ist oder Erholungsurlaub nehmen möchte. In dieser Zeit ruht der Pflegegeldanspruch. Für den ersten und letzten Tag der Verhinderungspflege wird jedoch Pflegegeld bezahlt.
  • Es können bis zu 14 Tage und 806,00 € Kurzzeitpflegeanspruch in Verhinderungspflegeanspruch umgewandelt werden, wenn der Anspruch an Kurzzeitpflege noch nicht verbraucht wurde.
  • Es ist auch eine stundenweise Verhinderungspflege möglich, bei der der Anspruch nicht auf die 28 Tage angerechnet wird. Voraussetzung hierfür ist, dass die stundenweise Pflege nicht länger als 8 Stunden je Tag in Anspruch genommen wird. Dieses können Pflegebedürftige nutzen, wenn die Pflegeperson z.B. durch private Termine (Arztbesuch, Kino, Familienfeier etc.) an der Pflege gehindert sind. Im Fall der stundenweisen Verhinderungspflege wird das Pflegegeld nicht gekürzt.

Sollte der Maximalbetrag, welcher für die Verhinderungspflege zur Verfügung steht, nicht ausreichend sein, so kann bei Bedürftigkeit der Sozialhilfeträger nach dem zwölften Sozialgesetzbuch für den Rest der Kosten oder Teilen davon in Anspruch genommen werden. Hierfür sind weitere Voraussetzungen zu erfüllen. Informationen darüber erhält man bei den örtlichen Sozialhilfeträgern.