F15474-f01_D2009-06-22Basis unseres Pflegeverständnisses und unseres pflegerischen Handelns ist das Pflegemodell nach Monika Krohwinkel. Im Folgenden soll kurz dargestellt werden, welche Kernaussagen Pflege to Hus aus dem Pflegemodell herausgreift.

Monika Krohwinkel hat die Erhaltung bzw. die Entwicklung von Unabhängigkeit und Wohlbefinden des Menschen zum Ziel. In diesem Modell wird die Bedeutung von fähigkeitsfördernder Prozesspflege dargestellt. Dabei wird die individuelle Lebenssituation, sowie die Förderung und Fähigkeit des Menschen in den Vordergrund gerückt. D.h. Ressourcen, Gewohnheiten, Fähigkeiten und Wünsche des Menschen werden in den Pflegeprozess mit eingebunden. Ihr Pflegemodell eignet sich besonders gut sowohl für den ambulanten Kranken-u.Altenpflegebereich als auch für den ambulanten Kinderkrankenpflegebereich.

Krohwinkel sieht Menschen als „einheitliches Ganzes“. Den Begriff Ganzheitlichkeit definiert sie als gleichwertige Interaktionen der Bereiche Leben, Gesundheit, Umgebung und Mensch. Daraus resultieren die 4 Schlüsselkonzepte ihres Pflegemodells:

Der Mensch

Der Mensch steht sowohl für die Person des zu Pflegenden als auch für die Person des Pflegenden. Er steht mit seinen individuellen Bedürfnissen und Erfahrungen im Mittelpunkt pflegerischer Entscheidungen. In diese wird er mit einbezogen, ggf. durch Interessenvertreter wie Angehörige. Besonders bei Kindern werden die familiären Gegebenheiten und der daraus resultierende Pflegebedarf berücksichtigt. Der Mensch ist fähig, sich zu entwickeln, zu wachsen und sich selbst zu verwirklichen unabhängig von Alter, Krankheit und Behinderung.

Die Umgebung

Mensch und Umgebung sind sind offene, wechselseitig beeinflussbare Systeme. Die Umgebung prägt den Menschen und der Mensch prägt die Umgebung. Umgebung kann Sicherheit, Geborgenheit Stimulation und Wertschätzung vermitteln. Zur Umgebung gehören z.B. gesellschaftliche, ökonomische und materielle Faktoren. Pflegende, bes. familiäre Angehörige, bzw. Angehörige anderer Berufsgruppen schaffen ein Milieu, das dem Wohlbefinden des Menschen Rechnung trägt. Individuelle Bedürfnisse werden erfragt und besonders mit einbezogen.

Gesundheit und Krankheit

Nach Krohwinkel sind Krankheit und Gesundheit dynamische Prozesse, die für den Pflegenden als Einschränkungen und Fähigkeiten erkennbar sind. Wohlbefinden und Unabhängigkeit werden hierbei als subjektiv empfundene Teile der Gesundheit angesehen.Für pflegerisches Handeln hat das folgende Bedeutung: Pflegende nehmen den Menschen mit seinen individuellen Fähigkeiten, Defiziten, Ressourcen und Bedürfnissen wahr und planen darauf aufbauend pflegerisches Handeln. Patienten und Angehörige werden in Entscheidungen mit einbezogen. Um entsprechende Informationen zu bekommen sind besonders Einfühlungsvermögen, Beobachtungsgabe und Kommunikationsfähigkeit der Pflegenden notwendig. Diese Informationen werden in den Pflegeplan mit eingearbeitet. Bei Menschen, die nicht vollständig oder adäquat kommunizieren können (insbesondere Kinder), wird die empathische Beobachtung besonders wichtig.

Pflege

Krohwinkels Pflegeverständnis stellt den Menschen mit seiner Einzigartigkeit in den Mittelpunkt. Der Pflegende hat die Aufgabe den Menschen/ das Kind und seine Familie in seiner Unabhängigkeit zu fördern. Wertschätzung und Respekt gegenüber Wünschen und Gewohnheiten spielen eine bedeutende Rolle. Fördernde Prozesspflege in der Anwendung auf den Pflegeprozess hat somit das Ziel Unabhängigkeit und Wohlbefinden der pflegebedürftigen Person zu fördern, zu erhalten bzw. wiederzuerlangen.Ihr und ihren Angehörigen soll geholfen werden, Bedürfnisse in den Aktivitäten und existentiellen Erfahrungen des Lebens allein oder mit Unterstützung zu realisieren und mit auftretenden Problemen umzugehen und sich dabei zu entwickeln.

Zu den primären pflegerischen Hilfeleistungen zählt Krohwinkel besonders die Anleitung/Unterrichtung und Förderung der zu pflegenden Person und seiner persönlichen Bezugspersonen/Familie.

Als Aktivitäten und existentielle Erfahrungen des Lebens ( AEDL) werden 13 Bereiche angenommen, die untereinander ohne hierarchische Struktur in Beziehung stehen

  1. Kommunizieren können

  2. Sich bewegen können

  3. Vitale Funktionen des Lebens aufrecht erhalten können

  4. Sich pflegen können

  5. Essen können

  6. Ausscheiden können

  7. Sich kleiden können

  8. Ruhen, schlafen und sich entspannen können

  9. Sich beschäftigen lernen und sich entwickeln können

  1. Sich als Mann/Frau/Kind fühlen und verhalten können

  2. Für sichere und fördernde Umgebung sorgen können

  3. Soziale Bereiche des Lebens sichern und Beziehungen gestalten können

  4. Mit existentiellen Erfahrungen des Lebens umgehen

Diese Bereiche stehen untereinander in Wechselbeziehung. Durch das ganzheitliche Menschenbild des Pflegemodells können AEDLs nicht einzeln betrachtet werden. Es müssen die Auswirkungen auf die anderen AEDLs berücksichtigt werden. Es ist z.B. wichtig zu erkennen, dass eine Urin-u.Stuhlinkontinenez (AEDL 6) Auswirkungen haben kann auf die Bereiche AED 2 : Sich bewegen können, AEDL 8: Ruhen, schlafen, entspannen können, AEDL 10: Sich als Mann/Frau/Kind fühlen können, AEDL 12: Soziale Bereiche des Lebens sichern und Beziehungen gestalten können.

Das Pflegekonzept macht Vorgaben, die für eine möglichst optimale Prozessgestaltung der Pflege und damit für ein gutes Ergebnis sorgen. Eine ausgereifte Planung, Prozesssteuerung und Dokumentation sind das Handwerkszeug für das Erreichen eines guten Ergebnisses.

Pflegetheoretische Orientierung von Monika Krohwinkel

Krohwinkels pflegetheoretische Vorstellungen, welche in ihrem Modell enthalten sind, richten sich nach ganzheitlich fördernder Prozesspflege. Ihr übergeordnetes Ziel ist, pflegebedürftige Menschen und die für sie wichtigen Bezugspersonen in ihren Fähigkeiten innerhalb der AEDLs zu fördern und zu unterstützen, damit sie ein größtmögliches Maß an Unabhängigkeit, Wohlbefinden und Lebensqualität erhalten. Krohwinkel geht davon aus, dass jeder Mensch das Potential zur Entwicklung, zum Wachstum und zur Selbstverwirklichung in sich trägt.

Ihre pflegetheoretische Orientierung wurde von Roper/Logan/Tierneys Pflegemodell der Lebensaktivitäten und Hendersons Modell der 14 Grundbedürfnisse beeinflusst.Grundlage dazu sind die Theorien folgender Psychologen: Carl Rogers (humanistische Psychologie) und Maslow (Bedüfnishierarchie). Krohwinkel nimmt auch die Pflegetheorien von Dorothea Orem (Selbstpflegedefizitmodell) und Martha Rogers (Pflegeerlebnismodell) auf. Ihr Modell ähnelt dem Pflegemodell von Liliane Juchli (12 Aktivitäten des täglichen Lebens).